30 Mär
Wandern im Lee (30. März 2015)

Staudernheim - Bad Kreuznach

Nachdem der gestrige Tag hauptsächlich eine lockere Fahrt auf einer Draisine war, sollte die Strecke von Staudernheim nach Bad Kreuznach recht anspruchsvoll werden, denn zwischendrin gab es auch einige steilere Streckenabschnitte. Bei unserer ersten Etappe hatte ich ja noch das Problem, dass der Akku des Smartphones für den Tag nicht ausreichend war. Diesmal hatte ich aber zusätzlich noch ein Powerbank dabei, damit uns zumindest hier nicht die Energie ausgeht. Die Wettervorhersage war leider alles andere als gut und somit beschloss ich, die Strecke umzulegen, so dass wir überwiegend im Lee der Berge gehen konnten. Diese Entscheidung war goldrichtig.
Zunächst ging es also bergab an den Glan in den schönen Ort Odernheim, der von seiner Bannmühle beherrscht wird. Nun folgte der erste steilere Aufstieg. An vielen Stellen hatte man eine tolle Aussicht und wir konnten gut erkennen, dass es rundum stark regnete, wogegen es bei uns nur gelegentlich tröpfelte.
Den berühmtesten Aussichtspunkt zwischen Odernheim und Duchroth – den Hindenburgblick – haben wir aber oberhalb passiert. Nach ca. 6 km kamen wir nach Duchroth. Tatsächlich liegen in Duchroth die Jahresniederschläge nur bei rund 600 mm. Der Ort zeigt aber auch die Probleme der ländlichen Gebiete. Der Ort hat in den letzten 100 Jahren mehr als die Hälfte seiner Einwohner verloren.
Zum Glück gab es aber noch einen kleinen unscheinbaren Dorfladen und eine Metzgerei. Der Dorfladen hatte Brötchen und wir konnten dort einen Kaffee trinken. Kakao gab es nicht und so durfte Fabio einen löslichen Cappuccino trinken und war mächtig stolz. Es gab dort auch ein paar Zeitschriften und Fabio wollte unbedingt ein Heft von den "5-Freunden" kaufen. Das wäre bei dem Regen aber ganz schnell zu Pappmaché geworden und ich versprach, das Heft nach unserer Reise zu besorgen. Leider gab es das wohl nur in Duchroth ;-)
In der Metzgerei kauften wir noch zwei Fleischwürstchen und dann ging es leichten Fußes weiter, denn nun ging es überwiegend bergab bis nach Oberhausen an der Nahe. Offensichtlich gab es dort auch ein Deutsch-Chinesisches Paar, den in einem Garten wehten beide Staatsflaggen gut sichtbar (Wind hatten wir an dem Tag ja genug).
Nun ging es wieder langsam aber stetig bergauf und wir hatten ein langes Stück durch einen sehr schönen Wald. An vielen Stellen waren Figuren in die Bäume eingeschnitzt, so dass wir besonders wachsam durch den Wald gingen, um kein Kunstwerk zu verpassen. Irgendwann machten wir dann unsere Mittagspause mit Brötchen und Würstchen.
Das Schild „Besucherbergwerk“ faszinierte Fabio sehr und wir machten einen spontanen Umweg zum „Schmittenstollen“. Der Umweg war nicht weit, aber es waren fast 100 Höhenmeter, die auf dem nassen, rutschigen Waldboden doch sehr anstrengend wurden. Das Besucherbergwerk war noch geschlossen und öffnete erst im April wieder. Überhaupt kann ich mich nicht erinnern, dass uns auf der langen Strecke ein Mensch begegnet wäre. Fabio hatte aber trotzdem seinen Spaß und informierte sich an den Anzeigetafeln über das Bergwerk. Die Arbeit dort war sicherlich knochenhart. Abgebaut wurde Erz zur Gewinnung von Quecksilber.
Langsam ging es wieder bergab zur Nahe.
Einen kleinen überflüssigen Umweg machten wir dann in Norheim. Hier wollten wir eine Pause einlegen und laut Google gab es dort auch ein Cafe. Das Cafe hatte aber schon längst dicht gemacht und Fabio war ein wenig sauer. Zumindest wurde anschließend der Eintrag auf Google Maps entfernt …
Sehr beeindruckend ist hier aber der Blick auf den Rotenfels – mit über Metern Wandhöhe und 1200 Metern Länge die größte Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien.
Weiter ging es nach Bad Münster am Stein-Ebernburg und dann durch das Salinental von Bad Kreuznach. Die Anlagen sind schon gewaltig. Auf großen Wänden mit gestapeltem Reisig (Gradierwerk) wird das mineralische Wasser geleitet, das dann über den Wind in der Luft verteilt wird. Bad Kreuznach gilt als das älteste Radon-Sole-Bad der Welt. Die Stadt muss aber wirklich einen hohen Aufwand betreiben, um den Kurbetrieb zu unterhalten.
Nun war es nicht mehr weit bis zur Jugendherberge Bad Kreuznach. Allerdings hatte es der Weg noch in sich, denn Jugendherbergen haben eine Vorliebe für Berge.
Auch die Jugendherberge Bad Kreuznach ist sehr schön und die Mitarbeiter sehr nett. In der Nacht hat es dann ganz schön gerappelt, denn Orkan Niklas erreichte seinen Höhepunkt. Wir hatten auf dieser Strecke unglaubliches Glück, denn rund um uns herum hat es wohl geschüttet und wir kamen doch halbwegs gut durch. Dieses Glück hatten wir am nächsten Tag nicht.

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